Was mich bewegt und innehalten lässt
Karlsplatz Ansbach / 20170827203217

Karlsplatz Ansbach

Der Ansbacher Karlsplatz wurde Ende des 17. Jahrhunderts für die Ansiedelung vertriebener Glaubensflüchtlinge aus Frankreich geplant. Umgesetzt wurde das Vorhaben jedoch erst im 18. Jahrhundert. Seine im 19. Jahrhundert entstandene Bebauung in architektonischer Einheit macht diesen zentralen Platz der barocken Vorstadt zu einem beliebten Motiv für Fotografen. Als solcher steht man vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, einen Bildausschnitt zu wählen, der der Vollständigkeit des Platzes ebenso gerecht wird, wie den Grundregeln harmonischer Bildgestaltung. Einfach ausgedrückt: Man rennt von einer Ecke zur anderen und sucht nach Standpunkten, die möglichst viel Bauwerk im Bild zulassen. Mit der Kirche St. Ludwig im Sucher ist man geneigt, dem Hochformat Vorzug zu geben. Dies hat jedoch zur Folge, dass man vom Karlsplatz selbst reichlich wenig sieht. Also doch das Querformat und einen Standort wählen, der zum einen weit genug entfernt ist, damit der Kirchturm vollständig abgebildet werden kann, und bei dem zum anderen weitere Gebäude als Einfassung rechts und links ins Bild hineinkommen. Bei der Verwendung eines Weitwinkelobjektives könnte man in der Tat auf einfache Art und Weise viel Bauwerk aufnehmen, allerdings – sobald die Kirche in Gänze abgebildet wird – auch viel langweiligen Himmel.

Und auch ich lief alle Ecken ab und entschied mich schließlich für einen Aufnahmestandort seitlich der Straße, die vom Karlsplatz in nördliche Richtung wegführt. An einem ersten Aufnahmetag befand sich kein Wölkchen am Himmel und so kam ich mit Material nach Hause, das nur unbefriedigende Ergebnisse zuließ. Also machte ich mich an einem Sonntag Abend erneut auf den Weg. Eine leichte Bewölkung versprach bessere Aufnahmen. Da ich das fertige Bild aus vier Aufnahmen im Hochformat zusammensetzen wollte, montierte ich meine Kamera auf ein Stativ mit Nodalpunktadapter. Um vier Aufnahmen mit jeweils etwa 2,5 Sekunden Belichtungszeit in den Kasten zu bekommen, vergehen inklusive der notwendigen Kameraschwenks gut 20 Sekunden. Eine verdammt lange Zeit, in der kein Auto, kein Fahrrad und kein Fußgänger den Bildausschnitt kreuzen darf. Nicht bedacht hatte ich den sonntäglichen Abendgottesdienst. Dieser war erst wenige Minuten zuvor zu Ende gegangen. Auf den Stufen vor der Kirche unterhielten sich Besucher für unendlich erscheinende Minuten. Immer wieder fuhren abgestellte Fahrzeuge mit hell leuchtenden Scheinwerfern vom Parkplatz. Ein Radfahrer pumpte den Hinterreifen seines Fahrrades auf. Fußgänger schlenderten mit interessierten Blicken an mir vorbei und durch mein Motiv hindurch. Ich sah meine „Blaue Stunde“ und die damit verbundene Lichtqualität ernsthaft in Gefahr. Endlich löste sich die ins Gespräch versunkene Personengruppe auf. Zwei Frauen dieser Gruppe schafften es aber leider nur von den Stufen hinab vor das abgestellten Auto und verfielen abermals ins Gespräch. „Mannomann! Los, heim geht’s! Eure Männer warten auf Euch!“, brummte ich vor mich hin. Irgendwann erkundigte sich ein betrunkener Passant, ob ich die Geschwindigkeit vorbeifahrender Fahrzeuge kontrolliere. Ich verneinte lachend, musste jedoch zugeben, dass die aufgestellte Kameraausrüstung durchaus verdächtig aussieht. Schließlich stieg eine der beiden Frauen in das Fahrzeug ein und ich freute mich schon sehr, dass dieses nun gleich wegfahren und den Blick auf die Stufen der Kirche freigeben würde. Aber nein, zu früh gefreut. Die Unterhaltung wurde durch das geöffnete Seitenfenster hindurch fortgeführt. Die Qualität des Lichts nahm merklich ab. Die Zeichnung in den vorbeiziehenden Wolken wurde flacher. Ich hatte meine Hoffnung schon aufgegeben und mich auf einen weiteren Aufnahmetag eingestellt, als plötzlich das Bremslicht des Fahrzeuges leuchtete und der Motor gestartet wurde. „Endlich!“, frohlockte ich. Die beiden Frauen tauschten noch ein paar letzte Sätze aus und verabschiedeten sich. Ganz schnell nahm ich meine Bilderserie auf, kontrollierte das Ergebnis kurz am Kamerabildschirm, packte meine Ausrüstung zusammen und zog zufrieden von dannen.

Auf der nachfolgenden Karte ist der Ort der Aufnahme markiert. Sie lässt sich im Vollbildmodus betrachten, lässt sich vergrößern, verkleinern und verschieben, und enthält weitere anklickbare Markierungen, die zu anderen Fotografien führen.

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Plönlein Rothenburg ob der Tauber: 49.374700, 10.180053
Graffiti Residenzstraße Ansbach: 49.303475, 10.575382
Spitalgasse Rothenburg ob der Tauber: 49.371112, 10.180998
Karlsplatz Ansbach: 49.300005, 10.575022
Holzpavillon Hofgarten Ansbach: 49.300498, 10.586223
Bismarckturm Ansbach: 49.308295, 10.578643
Karl-Burkhardt-Platz Ansbach: 49.302174, 10.575462
Brücke Brücken-Center Ansbach: 49.305091, 10.571079
Freiraum Ansbach: 49.304038, 10.571862
Florales Sonja Kormann Ansbach: 49.303583, 10.571734
Heilig-Kreuz-Kirche Ansbach: 49.295901, 10.571884
Landungssteg Nonnenhorn: 47.575364, 9.607061
Kappl Lehrberg: 49.344652, 10.514393
Treppe St.-Jakob-Kirche Rothenburg ob der Tauber: 49.378021, 10.177411
Dachboden Stadtschloss Herrieden: 49.233534, 10.499926
Maxhütte Sulzbach-Rosenberg: 49.488333, 11.768056
Pomona: -27.187778, 15.311944
Treppenhaus Stadtschloss Herrieden: 49.233611, 10.500000
Eingangshalle Volksbad Nürnberg: 49.447778, 11.062222
Schwimmhalle Volksbad Nürnberg: 49.448056, 11.062222
Reuterstraße Ansbach: 49.300904, 10.570124

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Karlsplatz Ansbach / 20170827203217 | Bernd Hartenberger | CC BY-SA 4.0 International

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